Single Favoriten

Hier setze ich nun die Rubrik meiner alten Homepage fort und stelle in unregelmäßigen Abständen Vinylsingles vor, die ich ganz besonders gerne mag. Dabei wird es sicher immer mal einzelne 7“ 45s geben, die mir spontan gefallen bzw. einfallen. Oder aber ich trage gleich mehrere zusammen, die in irgendeinem Zusammenhang miteinander stehen. Lasst euch einfach überraschen.

Der folgende Block widmet sich Singles, die zwischen Anfang 1966 und Ende 1968 in Deutschland veröffentlicht wurden. Das Besondere bei diesen Singles ist, sie sind im Herkunftsland der jeweiligen Band nicht erschienen. D. h. sie wurden von der deutschen Plattenfirma aus irgendeinem Grund für besonders veröffentlichungswürdig gehalten, obwohl die Mutterfirma für das Ursprungsland der Band anderer Ansicht war. Berücksichtigt habe ich nur solche Singles, die mir damals schon untergekommen sind. Seit Anfang 1967 hatte ich begonnen, mein Taschengeld für 17cm Schallplatten auszugeben. Die kosteten damals neu 4,75 DM. Aber es gab da in manchen Kaufhäusern in der Schallplatten Abteilung mitunter Singles auf dem Grabbeltisch für 1,- DM pro Stück. Das waren meist etwas ältere Singles, die nicht gut gelaufen waren, von denen zu viele hergestellt worden waren. So genannte Remittenden waren das. Meist hatte ihr Cover dann einen kleinen „R“ Stempel. Und auf solchen Grabbeltischen habe ich einige der folgenden Singles gefunden. Manche habe ich damals aber auch wirklich neu gekauft, weil ich sie toll fand und unbedingt haben wollte. Dass sie nur in Deutschland erschienen waren, wusste ich damals natürlich noch nicht.

 

The Walker Brothers – Land Of 1000 Dances / My Ship Is Coming In (Philips 320 207 BF, 01/1966)

Wahrscheinlich ist diese Single sogar schon 1965 erschienen. Es ist auf jeden Fall die einzige Single der Walker Brothers in den Sixties, die in Deutschland nicht auf Star-Club Records rauskam. Der Track „Land Of 1000 Dances“ kam im UK auf der LP „Take It Easy With The Walker Brothers“ zuerst raus. Und im UK war “My Ship Is Coming In” eine Single A-Seite Ende November 1965. Im Mai 1966 traten die Walker Brothers im Beat Club auf und sangen u.a. „Land Of 1000 Dances“, nicht aber „My Ship Is Coming In“. Diesen Auftritt hatte ich gesehen, und als ich die Single dann im Frühjahr 1967 bei Woolworth auf dem Grabbeltisch fand, griff ich natürlich zu. Inzwischen war „Land Of 1000 Dances“ ein Hit für Wilson Pickett, mir gefiel jedoch die Walker Brothers Version deutlich besser. Die ist elegant, aber doch druckvoll und treibend. Wilson Pickett war mir zu verschwitzt. Das Original von Chris Kenner aus dem Jahr 1962 habe ich dann erst sehr viel später kennengelernt, und es hat keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Und auch die Version von Cannibal & The Headhunters, die 1965 in den USA ein kleinerer Hit war und dem Text das prägnante „Na na na na na“ hinzufügte, habe ich nur mal flüchtig gehört. Die Walker Brothers Aufnahme und damit diese Single gehört aber bis heute zu meinen großen Favoriten gerade für die Party und die Tanzfläche. „My Ship Is Coming In“ ist natürlich eine sehr schöne Pop Ballade der Art, die Scott Walker und seine „Brüder“ berühmt gemacht haben. Damals habe ich sie nur nebenbei gehört. Und eigentlich ist es bis heute dabei geblieben, obwohl ich sicher bin, ich tue dem Track damit Unrecht.

The Beatles – Nowhere Man / What Goes On (Odeon O 23171, 03/1966)

Auch diese Single fand ich bei Woolworth auf dem Grabbeltisch bei gleicher Gelegenheit wie die davor. „Nowhere Man“ stammt natürlich vom Album „Rubber Soul“, das ich seinerzeit allerdings noch nicht kannte. Die Single kam im März 1966 in Deutschland raus und kletterte bis auf Platz 3 der Charts. Insofern ist es sehr wahrscheinlich, dass ich die A-Seite bereits kannte, obwohl ich mich nicht mehr erinnere, wann ich sie zum ersten Mal hörte. Eigentlich erstaunlich, wenn ich bedenke, dass mir diese Aufnahme auch heute noch wohlige Schauer über den Rücken jagt. Vor allem wenn die Byrds Gitarre erklingt, aber auch schon bei dem tollen gedoppelten Gesang Johns gleich zu Beginn. Bis heute eine meiner liebsten Beatles Singles. Großartige Melodie, feines Arrangement! Die B-Seite „What Goes On“ höre ich ebenfalls noch immer sehr gerne. Der Song geht, wie ich jetzt weiß, auf Quarrymen Zeiten zurück. Gesungen wird er von Ringo, was mir damals gar nicht sofort auffiel.

 

The Kinks – Dandy / Party Line (Pye, HT 300032, 10/1966)

Dieser Single konnte man damals nun wirklich nicht entkommen. Im Oktober 1966 veröffentlicht kletterte sie im Dezember auf Platz 1 der Charts und blieb dort bis ins Jahr 1967 im Januar. Ich konnte mich damals zunächst nicht entscheiden zwischen dem Original der Kinks und der fast zeitgleich erschienenen Version der Herman’s Hermits. Und so blieb die Single zunächst ungekauft. Später dann fand ich sie auch auf besagtem Grabbeltisch bei Woolworth. Man sieht also, dass dort durchaus auch Hits landeten, wenn ihre Halbwertszeit abgelaufen war. Inzwischen liegt natürlich das Original der Kinks weit vorne in meiner Gunst. Eine typische Ray Davies Komposition. Und auch der Text ist natürlich wieder klasse und hintersinnig, auch wenn mich das damals noch nicht so interessiert hat. Auch die B-Seite ist absolut toll und wurde damals immer gerne auf Parties gespielt, obwohl sich der Sänger im Text ja gerade darüber beschwert, in so eine „Party Line“ geraten zu sein.

 

Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick and Tich – Hard To Love You / No Time (Star-Club 148 573 STF, 11/1966)

Der Band Dave Dee & Co. entkam man damals auch so überhaupt nicht. Sie waren ständig in der Bravo, die ich im Jahr 1967 relativ regelmäßig las. Und im Beat Club waren sie ebenfalls Dauergäste. Mit „Hard To Love You“ sah ich sie dort im November 1966. Da erschien auch die Single in Deutschland, die dann immerhin bis auf Platz 10 kam in den Charts und 15 Wochen darin blieb. Sowohl A wie B-Seite der Single stammten vom Autoren Duo Ken Howard und Alan Blaikley, das die Band bereits 1964 entdeckt hatte und unter seine Fittiche nahm. „No Time“ war übrigens im UK die erste Single A-Seite von DDDBMT Anfang 1965, die allerdings ziemlich erfolglos blieb. Howard/Blaikley schrieben alle Hits der Band, aber sie waren auch als Hitlieferanten für diverse andere britische Bands erfolgreich. Während „No Time“ noch ein bischen ungelenk und naiv, wenn auch mit einem gewissen Charme, daherkommt, ist „Hard To Love You“ dann ganz ähnlich dem ersten Hit der Band „Hold Tight“ eine stampfende Proto Punk Beat Nummer, die gerade pubertierende Jungs und Mädels zu Höchstleistungen auf der Tanzfläche treibt. Dave Dee & Co. waren übrigens eine wirklich gute Live Band, die ähnlich wie die Beatles ihre Sporen in deutschen Beat Schuppen in den frühen Sixties verdiente.

The Hi-Fi’s – I’m A Box (Mum-Mum-Mum) / No Two Ways (Star-Club 148 578 STF, 02/1967)

Eine Single, die ich irgendwann gegen Ende 1967 auf dem Grabbeltisch bei Woolworth entdeckte und mehr wegen des Titels mitnahm. Vielleicht hatte ich die A-Seite aber auch davor mal im Radio gehört. Der Track hat eindeutig Novelty Charakter und ist für eine britische Beat Band eher untypisch. Aber 1967 war halt fast nichts unmöglich. Eine fast orientalische Melodie und ein Uff-Ta Rhythmus, sowie der völlig absurde Text und das ständig wiederholte „Mum-Mum-Mum“ im Refrain machte die Single wohl beim deutschen Publikum beliebt. Die Band stammte aus London, war aber in ihrer Heimat weitgehend unbekannt, trotz einiger Singles zwischen 1962 und 1968. Erfolg hatten The Hi-Fi’s nur in Deutschland, wo sie dann auch regelmäßig tourten. Auch ihre einzige LP „Snakes And HIFIS“ erschien nur hier auf Star-Club Records. Die Single B-Seite ist übrigens eine eher unspektakuläre Pop Nummer, die an frühen Merseybeat erinnert. Erschienen ist die Single in Deutschland im Februar 1967 und etwas später dann kurioserweise auch in den USA.

Donovan – Epistle To Dippy / Preachin‘ Love (Epic 5-10127, 02/1967)

Donovans großer Hit im Frühjahr 1967 in Deutschland war “Mellow Yellow”. Eine Aufnahme, die ich durchaus mochte, aber nicht so dringend als Single haben musste. Bei „Epistle To Dippy“ war das schon anders. Diese Single wurde hier in Deutschland ziemlich schnell nach „Mellow Yellow“ veröffentlicht, obwohl „Mellow Yellow“ gerade erst in den Charts nach oben kletterte und viel im Radio zu hören war. Möglicherweise steckte hinter dieser Veröffentlichungspolitik der Druck der Firmenzentrale in New York. Dort war „Epistle To Dippy“ nämlich die Nachfolgesingle zu „Mellow Yellow“, das in den USA im Februar schon wieder auf dem Abstieg aus den Charts war. Außerdem gab es im UK auch noch immer einen Rechtsstreit mit Donovans alter Plattenfirma Pye, die dort nach wie vor die Veröffentlichungsrechte hatte. „Epistle To Dippy“ erschien im UK jedenfalls nicht. Ich hatte die Single in der Sendung „SF-Beat“ gehört im Frühjahr 1967 und mochte sie sofort viel lieber als „Mellow Yellow“. Allerdings stieß ich auf die Single dann auch wieder erst auf Woolworths Grabbeltisch irgendwann im Herbst oder Winter. Entstanden ist die Aufnahme im Dezember 1966 in den Abbey Road Studios in London. Die elektrische Gitarre spielt ein gewisser Jimmy Page. Beide Tracks der Single sind auf keinem regulären Donovan Album enthalten. Die B-Seite „Preachin‘ Love“ hat ein sehr jazziges Arrangement und ist doch ein typischer Donovan Song. Diese Aufnahme taucht nur selten auf Compilations auf, während „Epistle To Dippy“ eigentlich auf fast allen Donovan „Best ofs“ zu finden ist. Die Mischung aus Folk Rock, Psychedelia und die eher ungewöhnliche Melodieführung, der schnelle 4/4 Rhythmus, das alles macht die Single zu etwas Besonderem.

The Beach Boys – Wendy / Mountain Of Love (Capitol K 23 500, 06/1967)

Diese Single war ebenfalls ein Grabbeltisch Fund irgendwann Ende 1967 oder Anfang 1968. Und ich hatte sie ungehört nur auf Verdacht mitgenommen, weil ich alles, was ich bis dahin von den Beach Boys kannte, durchaus mochte. Ich glaube, im Radio habe ich diese Single damals überhaupt nicht gehört. Und es ist auch ziemlich rätselhaft, wie es zur Veröffentlichung im Juni 1967 kam, schließlich waren die Aufnahmen bereits 1964 bzw. 1965 entstanden und auch in den USA veröffentlicht, auf den LPs „All Summer Long“ und „Party“ und im Fall von „Wendy“ auch auf einer erfolgreichen EP. Im UK war „Wendy“ dann die B-Seite von „Good Vibrations“. Möglicherweise war das ja der Grund, dass man sich bei EMI in Köln der Nummer erinnerte. Und wie ich inzwischen nachlesen konnte war „Wendy“ sogar kurz in den deutschen Charts auf Platz 36 im Sommer 1967. Wie auch immer, ich mag diese sehr gefühlvolle, melancholische Up-Tempo Komposition von Brian Wilson bis heute sehr, sehr gerne. Eine typische Beach Boys Single ist das mit wunderbarem Harmoniegesang, knackigem Basslauf und einem kurzen einprägsamen Orgelsolo. „Mountain Of Love“ ist dann so eine typische Party Aufnahme, nett und nicht weiter von Bedeutung, obwohl mir da Beach Boys Fans sicher sofort widersprechen werden.

The Monkees – Alternate Title (Randy Scouse Git) / Forget That Girl (RCA Victor 66-15017, 07/1967)

Ein großer Fan der Monkees war ich fast von Anfang an. Ihre TV-Serie schaute ich regelmäßig im deutschen Fernsehen und „I’m A Believer“ war eine der ersten drei Singles, die ich von eigenem Geld selbst kaufte. Da war es völlig klar, dass ich auch diese Single schon bald nach Erscheinen erwarb. Im UK (Platz 2) und in Deutschland (Platz 11) war das auch ein Hit. In den USA erschien die Single damals jedoch gar nicht, obwohl beide Tracks auf dem zweiten Album der Band „Headquarters“, das bereits im Mai 1967 rauskam, enthalten waren. Möglicherweise räumte man der A-Seite nicht genug Chancen am US Markt ein, wegen ihres starken England Bezugs, oder man wollte den nicht auch noch bewusst propagieren. Im UK wiederum musste der Titel geändert werden zu „Alternate Title“, weil „Randy Scouse Git“ nicht stubenrein klingt für britische Ohren. Der Song wurde von Micky Dolenz geschrieben, der sagte, die Idee sei ihm bei einer Party im Speakeasy Club in London gekommen, die die Beatles extra für die Monkees dort gaben. Abgesehen vom Text, der Song bzw. die Aufnahme ist eine Mischung aus Novelty, britischem Vaudeville und Music Hall Stil und sogar US Garage Punk. Ich mag die Single bis heute sehr gerne, auch wenn es deutlich bessere Singles der Band gibt. Die B-Seite ist eine hübsche und eher unbedeutende B-Seite bzw. Album Nummer.

The Hollies – Peculiar Situation / Pay You Back With Interest (Odeon O 23 535, 07/1967)

Die Hollies gehörten ebenfalls schon länger zu meinen Favoriten damals. Singles wie „On A Carousel“, „Carrie Anne“, Stop Stop Stop“ und „Bus Stop“ besaß ich bereits im Sommer 1967. Die letzten beiden schon etwas älteren auch wieder vom Grabbeltisch. „Peculiar Situation“ ging jedoch zunächst an mir vorbei. Irgendwann hörte ich die Single dann aber im Radio, und Anfang 1968 habe ich sie schließlich gekauft, ganz normal für 4,75 DM zusammen mit „Dear Eloise“ übrigens, das da gerade rausgekommen war. Die Singles erschienen bei verschiedenen Plattenfirmen in Deutschland („Dear Eloise“ auf Hansa), was mich damals nicht weiter interessierte. Beide waren aber nicht im UK als Single veröffentlicht, was ich natürlich damals auch noch nicht wusste. „Peculiar Situation“ und „Pay You Back With Interest“ stammten vom Album „For Certain Because“, das bereits im Dezember 1966 veröffentlicht worden war. Ab 1967 war das Berliner Hansa Label der deutsche Lizenznehmer für The Hollies. Vermutlich war das der Grund, weshalb die Single damals so verspätet in Deutschland auf Odeon erschien. Die EMI in Köln wollte am Erfolg der Band weiterhin teilhaben. Beide Songs sind übrigens ganz wunderbare Pop Kompositionen, für die das Autorenteam Clarke, Hicks, Nash sehr schnell bekannt und berühmt wurde. Besonders „Peculiar Situation“ ist ein sehr einfühlsamer Popsong für Pubertierende, die sich ihrer erwachenden Gefühle bewusst werden, diese aber auch reflektieren. Und auch eine soziale Komponente ist darin enthalten. Musikalisch genial umgesetzt mit Jangle Gitarren und tollem Harmoniegesang. Die B-Seite ist fast ebenso großartig. Etwas dramatischer angelegt ist der Track mit Piano und Glockenspiel.

Manfred Mann – She Needs Company / Oh No, Not My Baby (Electrola E 23 559, 08/1967)

Wieder so ein Grabbeltisch Fund irgendwann 1968. Auch hier nahm ich die Single mit, weil ich die Band kannte und mochte. Dass es nicht die gleiche Band war, die ich noch kurz zuvor mit „Mighty Quinn“ im Beat Club gesehen hatte, merkte ich dann aber schon bald. „She Needs Company“ wurde geschrieben und natürlich auch gesungen vom ersten Sänger der Band Paul Jones und stammte aus den letzten Aufnahmesessions der Band im Abbey Road Road Studio Ende 1965 noch für ihre alte Plattenfirma HMV. In England erschienen war der Track lediglich auf der EP „Machines“ im April 1966. Die B-Seite hier „Oh No, Not My Baby“ ist eine Goffin / King Komposition und in der Manfred Mann Version noch älter. Es war ein Hit im UK im April 1965. Das heißt also, auch diese Single hier wurde von der deutschen EMI im August 1967 veröffentlicht, um noch ein wenig vom Kuchen abzukriegen. Manfred Mann waren nämlich seit der Umbesetzung im Juli 1966 (neuer Sänger Mike d’Abo, neuer Bassist Klaus Voormann) bei Fontana unter Vertrag. Das alles habe ich natürlich im Detail erst später nachgelesen. Ein paar der frühen Manfred Mann Single Hits wie z.B. „Do Wah Diddy Diddy“ und „Pretty Flamingo“ kannte und mochte ich allerdings auch 1968 schon, und so war mir der Sound von „She Needs Company“ auch nicht völlig fremd. Im Gegenteil mag ich die Single sogar sehr gerne, und ich habe nie verstanden, warum das kein Hit war. Inhaltlich sogar richtig sozialkritisch (möglicherweise deshalb keine Single im UK), eine reiche ältere Frau und ein junger mittelloser Liebhaber, die letztlich doch nicht zusammenkommen. Musikalisch eingängiger Beat Pop mit einer jazzigen Bridge. „Oh No, Not My Baby“ ist feiner Pop in einem leicht angejazzten Arrangement. Alles in allem also eine wirklich lohnende Single.

The Smoke – High In A Room / If The Weather’s Sunny (Metronome B 1675, 08/1967)

“My Friend Jack” war ein Riesenhit im Sommer 1967. Und auch noch das recht ähnlich gestrickte „Have Some More Tea“ war im Radio deutlich präsent. Vermutlich wegen der Ähnlichkeit, denn eigentlich war das nur die B-Seite der in Deutschland dritten Single der Band The Smoke aus York, die dort 1965 als The Shots begann. „High In A Room“ erschien als Nachfolger von „My Friend Jack“, war aber nicht so erfolgreich. Vielleicht hab‘ ich die Single mal im Radio gehört, in Erinnerung geblieben ist sie mir da jedenfalls erstmal nicht. Im Juni 1968 sah ich The Smoke dann live im „Haus der Jugend Albert Schweitzer“ gleich bei mir um die Ecke aus Anlass des 10-jährigen Jubiläums des Jugendheims. Der Auftritt war natürlich toll. Die Band spielte so viel lauter als unsere einheimischen Beat Bands. Kein Wunder bei den Marshall Verstärkern. Sie eröffneten den Gig mit „Sunshine Of Your Love“ von Cream, das natürlich prädestiniert ist für lauten Gitarrensound. Aber sie spielten dann auch alle ihre eigenen Singles, die ja mehrheitlich nur in Deutschland erschienen waren. Nach dem Gig war ich Backstage, um mir Autogramme zu holen. Die Jungs wirkten auf mich damals erst 14-Jährigen sehr alt und Ehrfurcht gebietend. Zu einer längeren Unterhaltung reichte weder mein Mut noch mein Englisch. In ihrer englischen Heimat war die Band wie gesagt nicht sehr erfolgreich. Aber in Deutschland hielten sie bis 1976 durch. „High In A Room“ ist eine für die Zeit typische Freakbeat Pop Single, die sogar ein bisschen an die Small Faces erinnert. Die B-Seite ist dann eher leichter Piano Pop mit einem gewissen Charme. Die Single hab‘ ich mir bald nach dem Gig in Berlin gekauft.

Herman’s Hermits – Don’t Go Out Into The Rain (You’re Going To Melt) / Last Bus Home (Columbia C 23 596, 09/1967)

Auch Herman’s Hermits gehörten zu meinen frühen Favoriten. Ihr „No Milk Today“ war ebenfalls unter meinen ersten drei selbst erworbenen 7“45s. Und auch wenn ich nicht jede ihrer Singles sofort kaufte, so registrierte ich doch aufmerksam jede Neuigkeit die Band betreffend. Daher bekam ich natürlich auch diese Single mit, obwohl sie in Deutschland nicht sehr erfolgreich war. Der Song stammt von dem Brill Building Komponisten Kenny Young, der ihn auch mit einer Band namens Seagulls zuerst veröffentlichte. Die Version der Herman’s Hermits war in den USA ein Top 20 Hit im Sommer 1967. Im UK erschienen Versionen des Songs von den Swinging Blue Jeans und von David Garrick, dessen „Mrs. Applebee“ man im Frühjahr 1967 leider auch kaum entgehen konnte. Und Garrick hatte dann zumindest auch hier in Deutschland den Hit mit „Don’t Go Out Into The Rain“. Mir gefällt die Herman’s Hermits Version trotzdem besser, auch wenn das natürlich sehr leicht gewichtiger Pop ist, aber nicht ohne Charme. Auf der B-Seite hört man dann mit „Last Bus Home“ die deutlich interessantere Aufnahme. Eine schöne und recht eingängige Beat Nummer, die auch von einer der vielen US Garage Pop Bands jener Zeit stammen könnte. In den USA erschien dieser Track als B-Seite der Single „Museum“ und auf dem Album „Blaze“, im UK erschien er damals genausowenig wie die A-Seite. Ich fand die Single dann wieder mal auf dem Grabbeltisch.

The Easybeats – Falling Off The Edge Of The World / Remember Sam (United Artists 67 109, 10/1967)

“Friday On My Mind” kannte ich schon, mochte ich auch, aber die Single besaß ich damals noch nicht. Ansonsten waren die Easybeats für mich aber eher Unbekannte. Anfang 1968 hörte ich dann diese Single im Radio und war hin und weg! Ein toller Song und ein ziemlich bombastisches Arrangement mit Piano, Streichern und Background Chören. Wie ich jetzt weiss entstand die Aufnahme in New York während einer US Tournee der Band. In den USA, in Holland und hier in Deutschland war das dann eine Single A-Seite. Im UK und in der australischen Heimat der Band wurde diese großartige Aufnahme auf der B-Seite des eher bräsigen „Hello How Are You“ versteckt. Ein großer Hit war „Falling Off The Edge…“ leider nirgends. „Remember Sam“ ist ebenfalls nicht schlecht. Sehr britisch und zeittypisch mit hübschen Gitarrensounds und einem Tempowechsel zwischen Strophe und Refrain. Die Single kaufte ich zusammen mit „Everlasting Love“ von Love Affair und „Tin Soldier“ von den Small Faces.

 

Jimi Hendrix Experience – Foxy Lady / Manic Depression (Polydor 59 159, 12/1967)

Mit Jimi Hendrix und mir, das war so’ne Sache. Natürlich kannte ich alle Singles aus dem Radio. Und sogar das Debütalbum hatte ich bei einem Mitschüler schon im Sommer 1967 gehört. Die meisten Tracks hatte ich auf meinem Tonband, aber zu einem Kauf war es lange nicht gekommen. Meine erste Single der Jimi Hendrix Experience war ausgerechnet „Burning Of The Midnight Lamp“. Die Single erwarb ich im Oktober oder November 1967. Diese Single hier fand ich dann mal wieder auf dem Grabbeltisch irgendwann 1968. Erschienen war sie im Dezember 1967 in den USA (mit anderer B-Seite) und hier in Deutschland, ohne viel Aufsehen zu erregen. Man kann nun natürlich streiten, ob sie meine eingangs formulierten Kriterien überhaupt erfüllt. Schließlich war Hendrix Amerikaner. Allerdings war sein Lebensmittelpunkt damals London, und seine Band war im Grunde eine englische Band mit einem Plattenvertrag im UK. Und Track Records veröffentlichte „Foxy Lady“ nicht als Single. „Foxy Lady“ ist natürlich großartig und gehört heute zu meinen Lieblingstracks der Jimi Hendrix Experience. Und die B-Seite „Manic Depression“ mochte ich schon damals besonders gerne. Der ungewöhnliche Rhythmus, das Gitarrengewitter, aber auch der etwas kryptische Text nahmen mich ganz gefangen. Eigentlich gefällt mir der Track sogar besser als die A-Seite.

The Rolling Stones – 2.000 Light Years From Home / She’s A Rainbow (Decca DL 25 321, 01/1968)

Von den Stones kaufte ich tatsächlich jede Single ziemlich bald nach Erscheinen beginnend mit „Let’s Spend The Night Together“. Das gleiche machte ich übrigens bei den Beatles ebenfalls ab Anfang 1967. Und damit ich nicht so viele Stones Singles nachkaufen musste (was ich später natürlich doch tat), ließ ich mir zum Geburtstag im Oktober 1967 das Album „Big Hits (High Tide And Green Grass)“ schenken. Da waren so ziemlich alle Singles bis „Have You Seen Your Mother, Baby, Standing In The Shadow“ drauf. Diese Single hier wurde also gleich Anfang 1968 erworben. Dass sie im UK nicht veröffentlicht war, wusste ich damals nicht. Und es interessierte mich auch nicht. Das Album „Their Satanic Majesties Request“ erwarb ich dagegen erst sehr viel später. 1968 war ich noch sehr Singles orientiert. LPs interessierten mich eher selten, und ich konnte sie mir ja auch gar nicht leisten. Zu den beiden Tracks auf dieser Single hier muss ich hoffentlich nichts weiter sagen. Toll sind sie alle beide! „She’s A Rainbow“ lief übrigens damals weit häufiger im Radio als die A-Seite.

The Bee Gees – Holiday / Red Chair Fade Away (Polydor 59 156, 01/1968)

Ich muss gestehen, großer Bee Gees Fan war ich damals auch. Seit ich zum ersten Mal „New York Mining Disaster 1941“ im Radio gehört hatte, verfolgte ich alle Infos zu den Brüdern sehr aufmerksam. Die Bravo war da durchaus hilfreich. Und ich kaufte tatsächlich auch alle Singles der Band, die in Deutschland rauskamen, bis Ende 1968. Danach kühlte meine Liebe zu den Bee Gees langsam ab, obwohl ich die LPs noch bis „Odessa“ alle erwarb. Und so kaufte ich Anfang 1968 auch das Album „Bee Gees 1st“ als erste LP von meinem eigenen Geld. Ich weiß noch, dass mein Vater mir vorwarf, ein schlechtes Geschäft gemacht zu haben, weil ich einen großen Teil der Tracks auf der LP bereits als Singles besaß. Tja, mein Vater war ein sparsamer und ökonomisch denkender Mensch. „Holiday“ erschien als Single nur in den USA, in Deutschland und einigen weiteren europäischen Ländern, nicht aber im UK. Die Single war ein Top 20 Hit in den USA, in Holland sogar Platz 2 im Spätsommer 1967. Hier in Deutschland erregte die Single wenig Aufmerksamkeit, weil zur gleichen Zeit bereits „World“ überall im Radio lief und die Charts anführte. Die Veröffentlichung im Januar 1968 kam wohl zu spät. Doch ist „Holiday“ natürlich trotzdem ein guter Song. Typisch halt für die Bee Gees Kompositionen damals. Etwas melancholisch und etwas kryptisch vom Text her. „Red Chair Fade Away“ ist sogar eingängiger noch mit interessanten melodischen Wendungen und abwechslungsreicher arrangiert. Sicher nicht ihre beste Single, aber ich möchte sie auch nicht missen. Bis heute nicht.

The Creation – For All That I Am / Uncle Bert (Hit-ton HT 300235, 12/1968)

The Creation gehören heute zu meinen Favoriten jener Zeit. Das war damals zwar im Prinzip schon ähnlich, aber ich bekam nicht alles mit, was die Band betraf. „Painter Man“ war die erste Single von ihnen, die ich wahrnahm und dann auch kaufte. „Tom Tom“ folgte sehr bald nach. Andere Singles der Band erwarb ich dann erst sehr viel später, obwohl ich alles was im Radio von ihnen lief damals gleich auf Band aufnahm. Die Band war ja auch vor allem in Deutschland erfolgreich, trat mehrfach im Beat Club auf und tourte viel durch die Bundesrepublik. Dass die Band sich bereits Ende 1966 umbesetzt hatte, wusste ich damals nicht. Und auch dass sie sich Anfang 1968 auflöste, um kurz darauf in neuer Besetzung doch weiter zu machen, hatte ich seinerzeit gar nicht mitbekommen. Die Single „Midway Down“, die im Mai 1968 erschien und von dieser neuen Besetzung eingespielt worden war, entging auch zunächst meiner Aufmerksamkeit. Diese neue Besetzung bestand übrigens aus dem ursprünglichen Sänger der Band Kenny Pickett, dem Drummer Jack Jones, dem Bassisten Kim Gardner und Ronnie Wood an der Gitarre. Lange hielt aber auch dieses Line-Up nicht und im Sommer 1968 gab es The Creation nicht mehr. In Deutschland erschienen dann noch zwei weitere Singles. Die letzte „For All That I Am“ fand ich mal wieder auf einem Grabbeltisch im Jahr 1969 und griff zu, weil ich ja nur Gutes kannte von dieser Band, die ich leider viel zu früh aus den Augen und Ohren verloren hatte. Der Song „For All That I Am“ stammt von einem US Komponisten Duo Paul Kahan und Stephen Friedland. Die einzige andere Aufnahme des Songs ist von der US Pop Gruppe The Tokens und erschien 1967 auf einer EP. Wie The Creation an den Song kamen, weiß ich nicht. Ihre Version ist jedenfalls toll, so wie der Song überhaupt ein wundervoller Pop Song ist. Und auch die B-Seite der Single „Uncle Bert“ ist ein hübscher Song, der aber auch von der speziellen Interpretation der Band hier sehr profitiert, die ihn  dazu auch gemeinsam geschrieben hat. Diese Single ist ein sehr würdiger Abschluss der Karriere einer der besten englischen Freakbeat und Artpop Bands der Sixties.

Wer mag kann übrigens alle eben beschriebenen 17 Singles in meiner Radiosendung Guitars Galore vom 19.02.2019 hören.

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